Im Aserbaidschanischen Kulturzentrum in Wien fand eine besondere Veranstaltung statt, die der aserbaidschanischen Poesie und der Kunst der literarischen Übersetzung gewidmet war.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen das literarische Erbe des Volksdichters, Dramatikers und Literaturwissenschaftlers Bakhtiyar Vahabzadeh sowie das Wirken von Hanspeter Achmed Schmiede, der sich mit seinen herausragenden Verdiensten um die Übersetzung der aserbaidschanischen Literatur ins Deutsche besondere Anerkennung erworben hat.
Die Veranstaltung gliederte sich in zwei Hauptteile: die Präsentation eines Buches mit Werken von Bakhtiyar Vahabzadeh sowie die feierliche Verleihung des „Achmed-Schmiede“-Preises für literarische Übersetzungen aus dem Aserbaidschanischen ins Deutsche.
In ihrer Eröffnungsrede betonte die Direktorin des Aserbaidschanischen Kulturzentrums, Leyla Gasimova, dass derartige literarisch-kulturelle Initiativen eine bedeutende Rolle für die Entwicklung der humanitären Beziehungen und des kulturellen Dialogs zwischen Aserbaidschan und den deutschsprachigen Ländern spielen. Sie hob hervor, dass das Schaffen Bakhtiyar Vahabzadehs ein reiches geistiges Erbe darstellt, das Ideen nationaler Identität, Freiheit und kultureller Selbstfindung vereint, und dass die qualitätsvolle Vermittlung dieses Erbes an ein europäisches Lesepublikum von besonderer Bedeutung ist.
Es wurde darauf hingewiesen, dass der vorgestellte Band mit dem Titel „Ich bin ein Sohn Aserbaidschans“ Übersetzungen aus dem Werk Bakhtiyar Vahabzadehs vereint, die von dem renommierten Übersetzer Hanspeter Achmed Schmiede in verschiedenen Publikationen veröffentlicht wurden, sowie weitere Übersetzungen von Michael Reinhard Heß und Yusif Savalan.
Im Rahmen der Veranstaltung hielt der bekannte Turkologe und Wissenschaftler Michael Reinhard Heß einen Vortrag über das Schaffen Bakhtiyar Vahabzadehs. Er charakterisierte ihn als einen der bedeutendsten aserbaidschanischen Dichter des 20. Jahrhunderts und der frühen Phase des 21. Jahrhunderts und betonte, dass seine Poesie auf den Ideen nationaler Einheit, Freiheit und kultureller Selbstbehauptung beruht.
Heß führte weiter aus, dass sich Vahabzadehs Wirken nicht allein auf die Dichtung beschränkte, sondern er zugleich als Wissenschaftler, Publizist, gesellschaftlicher Akteur und politische Persönlichkeit tätig war. All diese Tätigkeitsfelder dienten einem gemeinsamen Ziel – dem Schutz und der Stärkung der nationalen Identität des aserbaidschanischen Volkes. Zudem wurde hervorgehoben, dass der Dichter in seinen Werken Motive der aserbaidschanischen Volksliteratur meisterhaft mit modernen poetischen Formen verband.
Der Wissenschaftler ging auch auf Werke aus der Sowjetzeit ein und betonte, dass es Bakhtiyar Vahabzadeh selbst unter den Bedingungen ideologischer Zensur gelungen sei, seine nationale Haltung durch Mehrdeutigkeit, Symbolik und historische Reminiszenzen zum Ausdruck zu bringen. Werke wie „Gulustan“ und „Gegensätze“ spiegeln Themen wie Teilung, Freiheit und Gerechtigkeit in der Geschichte Aserbaidschans in einer tiefgründigen poetischen Sprache wider.
Anschließend wurde ein Auszug aus der Poemdichtung „Gulustan“ in der Originalstimme des Dichters präsentiert, gefolgt von der deutschen Übersetzung desselben Abschnitts durch Michael Reinhard Heß.
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war dem Leben und Schaffen von Hanspeter Achmed Schmiede gewidmet, der eine bedeutende Rolle bei der Vermittlung der aserbaidschanischen Literatur im deutschsprachigen Raum spielte. Es wurde hervorgehoben, dass der professionelle Übersetzer bereits in jungen Jahren ein tiefes Interesse an der aserbaidschanischen Literatur entwickelte, enge Kontakte zu wissenschaftlichen und literarischen Kreisen pflegte und maßgeblich zur Bekanntmachung des Epos „Kitabi Dede Korkut“, der aserbaidschanischen Poesie sowie folkloristischer Werke beim deutschen Publikum beitrug. Sein Interesse am Werk Bakhtiyar Vahabzadehs mündete in eine enge persönliche Freundschaft zwischen beiden.
Der Sohn des Übersetzers, Dipl.-Ing. Hassan Ingo Schmiede, sprach über das Interesse und die Verbundenheit seines Vaters zu Aserbaidschan sowie zur türkischen und islamischen Welt insgesamt. Als Zeitzeuge der Reisen seines Vaters nach Baku und der Aufenthalte Bakhtiyar Vahabzadehs in Berlin teilte er persönliche Erinnerungen und präsentierte Fotografien aus dem Familienarchiv. Gezeigt wurden unter anderem Aufnahmen des renommierten Übersetzers und Orientalisten bei Begegnungen mit aserbaidschanischen Intellektuellen sowie während seiner Reisen nach Baku und Scheki. Hassan Schmiede dankte für die Würdigung des Schaffens seines Vaters und äußerte die Hoffnung, dass dieses reiche wissenschaftlich-literarische Erbe durch neue Publikationen und Forschungsarbeiten an künftige Generationen weitergegeben werde.
Einer der zentralen Programmpunkte der literarisch-künstlerischen Veranstaltung war die Verleihung des „Achmed-Schmiede“-Preises für literarische Übersetzungen aus dem Aserbaidschanischen ins Deutsche. Ziel dieses Preises ist es, die Übersetzungskultur zu fördern, hochwertige literarische Übersetzungen zu unterstützen und die literarischen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und den deutschsprachigen Ländern zu stärken.
Den Wettbewerbsergebnissen zufolge belegte der Dozent der Aserbaidschanischen Sprachenuniversität, Dichter und Übersetzer Yusif Savalan, den dritten Platz (für die Übersetzung von Gedichten des Volksdichters Musa Yaqub), der Turkologe und Wissenschaftler Michael Reinhard Heß den zweiten Platz (für die Übersetzung der Erzählung „Der sich nicht öffnende Regenschirm“ der jungen Autorin Samira Ashraf) und die Dozentin der Aserbaidschanischen Sprachenuniversität Nilufar Mammadzada den ersten Platz (für die Übersetzung des Werkes „Wer bin ich?“ von Ahmed bey Agaoglu). Den Preisträgerinnen und Preisträgern wurden Ehrenurkunden überreicht.
Mit Blick auf die Zukunft des Wettbewerbs wurde darauf hingewiesen, dass die alle zwei Jahre vergebenen Auszeichnungen langfristig dazu beitragen sollen, die besten Übersetzungen in Buchform zu veröffentlichen. Bereits in der ersten Ausgabe des Wettbewerbs fanden mehrere bemerkenswerte Übersetzungen große Beachtung, insbesondere die Arbeiten der jungen Übersetzerin Rashida Asgarli (Übersetzungen von Erzählungen Suleyman Sani Akhundovs), die von der Jury hoch bewertet wurden.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Konzertprogramm mit Musikwerken, die auf Gedichten Bakhtiyar Vahabzadehs basieren. Kompositionen von Elza Ibrahimova, Khayyam Mirzazadeh und Emin Sabitoglu wurden von in Wien lebenden Musikern – dem Pianisten Abuzar Manafzadeh und dem Sänger Farhad Soltani – aufgeführt.
Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmenden als bedeutender Beitrag zur internationalen Förderung der aserbaidschanischen Literatur, der Kunst der literarischen Übersetzung und der kulturellen Diplomatie gewürdigt.